Hochzeitsplanung in Zeiten von Corona

Die letzten Wochen waren nicht einfach. Corona hat Einfluss auf alles: auf uns, unseren Alltag und unser Umfeld. Wir sind immer noch mittendrin in einer belastenden Situation, von der aktuell niemand genau sagen kann, wie lange sie noch anhält. Die Stimmung ist getrübt, Feste und Feierlichkeiten müssen abgesagt und/oder verschoben werden – auch im privaten Bereich.

Mittendrin in dieser furchtbaren Krise stehen viele Brautpaare plötzlich zwischen Unsicherheit und Hoffnung. Viele haben bereits lange geplant und befinden sich mittendrin in der emotionalen Reise auf dem Weg zur Traumhochzeit. Corona hat nun alles auf den Kopf gestellt. Die meisten Hochzeiten für die kommenden Wochen und Monate sind wegen Corona entweder bereits verschoben oder stehen noch „auf der Kippe“. Die Gästestruktur, die Destination, die Anreise – alles steht nun nochmal auf dem Prüfstand der Umsetzbarkeit, gepaart mit der emotionalen Belastung, denn diese Schritte sind alles andere als einfach. Ruhe und einen kühlen Kopf bewahren sind das Eine, finale Entscheidungen für den Herzenstag zu treffen jedoch das Andere.

Die Hochzeit wegen Corona verschieben?

Wie geht man mit so einer unsicheren Situation um, wenn der erste Schock abgefallen ist? Muss die Hochzeit wegen Corona verschoben werden? Wir haben mit zwei Bräuten gesprochen, die beide auch schon hier auf FRIEDA THERÉS zu sehen waren: Luisa aus Hamburg und Laetitia aus Stuttgart (hier ist ihre standesamtliche Hochzeit zu sehen). Beide planen eine Destination Hochzeit und sind somit direkt von der gegenwärtigen Lage betroffen. Welche Folgen die Corona-Krise für die Hochzeiten hat, darüber sprechen wir auch mit den Hochzeitsplanern der beiden. Luisa wird bei ihrer Italienhochzeit von Sharon Werbelow von IDO Events aus Berlin unterstützt. Auf Mallorca kümmert sich das Team der Agentur Traumhochzeit Mallorca um die Planung von Laetitias Hochzeit. Wir bekommen somit auch einen Blick auf die jeweilige Dienstleisterperspektive.

Editor-Note: wir senden allen betroffenen Paaren ganz viel Liebe und Stärke! Besinnt euch auf das Positive und denkt immer daran, dass eure Liebe nicht davon betroffen ist! Auch wenn ihr letztlich anders heiraten werdet, ist das gegenseitige JA Wort das Allerwichtigste! Alles wird gut! 

Im Gespräch mit Laetitia von Miss Mondo

Liebe Laetitia, vielen Dank, dass du dir aktuell Zeit für die Fragen nimmst! Für welches Datum ist eure Hochzeit denn ursprünglich geplant?
Als sich die Lage Anfang März so verändert hat, daß jede „Bride to be“ um ihre Traumhochzeit bangen musste, habe ich auf Instagram nach anderen Bräuten gesucht, die in der gleichen Situation sind. Ich glaube es ist nun ganz wichtig sich gegenseitig Kraft und Hoffnung zu spenden. Unsere Hochzeit auf Mallorca planen wir für den 31. Mai 2020. UPDATE: DAS PAAR HAT SICH ENTSCHLOSSEN DIE HOCHZEIT AUF DEN 06.10. ZU VERSCHIEBEN.

Wie lange plant ihr schon eure Hochzeit?
Die Idee eine Destination Wedding auf Mallorca zu feiern, haben wir kurz nach der Verlobung im April 2019 gefasst. Auf Instagram und Pinterest habe ich nach Inspiration gesucht und bin auf unsere Weddingplanerin Dana aufmerksam geworden. Direkt beim ersten Telefonat im Mai 2019 hat es zwischen Dana und mir „Klick“ gemacht: die Chemie hat sofort gestimmt und wir sind direkt in die Planung eingestiegen. Üblicherweise sollte man eine Destination Wedding mit mindestens einem Jahr Vorlaufzeit planen. Und so war es auch bei uns: wir sind im Juni 2019 für unsere Location Tour und im September 2019 für die Deko Auswahl und das Menü Tasting nach Mallorca geflogen.

Wann habt ihr zum ersten Mal realisiert, dass das Hochzeitsdatum auf der Kippe steht?
Anfang März hat sich die Lage so sehr zugespitzt, daß wir das erste Mal mit unsere Wedding Planerin in Kontakt getreten sind, um uns auszutauschen. Da es aber anfänglich fast täglich Neuigkeiten zur aktuellen Lage gab, haben wir beschlossen uns eine Deadline Mitte April zu setzen. Dann werden wir entscheiden ob wir die Hochzeit verschieben oder wie geplant stattfinden lassen. Mitte März habe ich mich auch über das Thema „Hochzeitsversicherung“ informiert. Relativ schnell war allerdings klar: Ausfälle aufgrund von „Corona“ (Pandemie) werden NICHT von der Versicherung abgedeckt, da dies zu „Höhere Gewalt“ zählt. Außerdem bin ich zeitgleich mit unseren 70 Gästen in Kontakt getreten.

Natürlich hat die Gesundheit unserer Gäste höchste Priorität. Bei der ersten Kontaktaufnahme zur „möglichen Verschiebung der Hochzeit“ wollten wir ein Gefühl dafür bekommen, welche Bedenken unsere Gäste haben und ob sie überhaupt noch zu unsere Hochzeit anreisen möchten. Ausnahmslos wollten unsere Gäste weiter an den ursprünglichen Plänen festhalten und haben uns dabei bestärkt, erst einmal Ruhe zu bewahren und die Deadline Mitte April als Entscheidungsdatum zu nehmen.

Wenn die eigene Hochzeit plötzlich unverschuldet in der Luft hängt, fahren die Gefühle sicher Achterbahn, wie ging es euch in diesem Moment und wie geht es euch aktuell mit der Situation?
Es ist uns schwer gefallen eine Entscheidung aufgrund einer Basis von Unsicherheiten zu treffen. Niemand weiß wie sich die Lage in zwei, vier oder acht Wochen entwickeln wird. Deshalb haben wir folgende Lösungen für uns gewählt:
A) Wir halten weiterhin an unserem ursprünglichen Hochzeitsdatum am 31.05.2020 fest und setzen uns eine Deadline Mitte April. Dann entscheiden wir aufgrund der aktuellen Lage, ob wir verschieben.
B) Um am Ende nicht ohne Location/ Dienstleister etc. dazustehen, haben wir mit unserer Weddingplanerin über einen möglichen Ausweichtermin gesprochen und diesen Anfang Oktober 2020 optioniert.
Dies hat mich etwas beruhigt und auch geholfen besser mit der Situation umgehen zu können.

Wie sieht die Lage zu eurer Hochzeit aktuell aus? Wie plant ihr nun weiter? Gibt es einen Plan B?
Unser Plan B ist die Hochzeit auf die erste Oktoberwoche 2019 zu verschieben. Die Verschiebung der Hochzeit wäre nicht optimal, aber somit könnten wir noch dieses Jahr heiraten. Es ist ganz wichtig auch einmal zu erwähnen, daß es auch rechtliche Gründe hat, weswegen wir erstmal abwarten und die Hochzeit noch nicht verschieben. Sollte keine Reisebeschränkung für Spanien vorliegen, gibt es rechtlich gesehen keinen Grund die Hochzeit zu verschieben. Dies würde auch bedeuten, daß die jeweiligen Dienstleister vollen Anspruch auf die Zahlungen haben, da es „nur“ der persönliche Wunsch ist, die Hochzeit zu verschieben. Sollten wie in unserem Fall für Spanien bestimmte Einreisebeschränkungen verhangen werden, so können wir die Hochzeit ohne Probleme verschieben. Auch hier mein Tipp an die Hochzeitspaare: nehmt Kontakt mit euren Dienstleistern auf und verhandelt über mögliche Termine, Kosten und Anzahlungen. Letztendlich spielt ja auch der monitäre Aspekt bei einer Hochzeit eine Rolle!

Eine Hochzeit ist ein Fest, wo Familien und Freunde zusammenkommen. Inwieweit sind eure Gäste von den Reisebeschränkungen betroffen?
Alle unsere Gäste kommen aus Deutschland. Dadurch gelten für alle dieselben Reisebeschränkungen und auch Reiserücktrittsbestimmungen, welche ja nun etwas gelockert worden sind. Dies ist eine kleine Erleichterung, da wir wissen, daß unsere Gäste die Kosten für ihre Flüge und Hotelbuchungen erstattet bekommen.

Was ist für euch das Schwierigste an der aktuellen Situation?
Das Schwierigste an dieser Situation ist es nicht zu wissen, in welche Richtung sich alles entwickelt. Eine große Unsicherheit schwebt über allem und ich kann jedem Paar nur raten: wenn ihr einen Entschluss gefasst habt: denkt nicht weiter darüber nach, bewahrt einen kühlen Kopf und wartet erstmal ab.

Wie geht dein Mann mit der Situation um?
Mein Mann Felix ist mein Fels in der Brandung! Er ist sehr sachlich und ruhig mit dem Thema umgegangen. Wir sind bei allem immer sehr positiv und das hilft uns auch nun in dieser Phase sehr. Wir sind immer noch voller Vorfreude auf unsere Hochzeit und hoffen auf das Beste!

Man sagt ja, dass jede Situation auch etwas Positives hat. Gibt es positive Aspekte, die ihr eurer Situation abgewinnen könnt?
Auch wenn wir immer sehr positiv sind: leider gibt es für uns keinen positiven Aspekt, den wir dieser Situation abgewinnen können.

Was wünscht ihr euch für die Hochzeit?
Wir wünsche uns für unsere Hochzeit, daß es neben einem Fest der Liebe auch ein Fest des Lebens wird. In Zeiten wie diesen wird einem klar wie glücklich man sich schätzen darf, wenn man gesund ist und wie fragil das Leben und all seine Umstände sind. Wir Hochzeitspaare, aber auch alle anderen gehen jetzt durch eine schwere Zeit. Der Ausblick auf eine ausgelassene Feier mit unsere Familie und all unseren Lieben gibt uns Hoffnung und Zuversicht. Und diese sollte man NIE verlieren.

Im Gespräch mit Dana Freyberg

Dana Freyberg von der Agentur Traumhochzeit Mallorca plant und betreut mit ihrem Team die Hochzeit von Laetitia und Felix.

Liebe Dana, wie gehst du als Hochzeitsplanerin mit der aktuellen Situation um? Gab es einen Schlüsselmoment, an dem du gemerkt hast, dass die Corona-Krise die Saison 2020 maßgeblich verändern wird?
Wir gehen mit einer positiven Energie an die ganze Situation. Wichtig ist uns gerade proaktiv zu sein und uns mit den Geschehnissen täglich zu befassen um unseren lieben Paaren die möglichst besten Ratschläge für ihre Entscheidung zu geben. Ein Schlüsselmoment war mit Sicherheit, als das Flugverbot (in Form von Schließung der Grenzen) und das Versammlungsverbot verhängt wurde.

Diese Saison stellt alle Hochzeitsdienstleister vor eine nie dagewesene Herausforderung. Wo liegen für dich die größten Schwierigkeiten?
Unsere Hochzeitsdienstleister LIEBEN ihre Tätigkeit und sind wie niemand sonst bereit, alles zu tun um die Hochzeit unserer lieben Paare zur Traumhochzeit zu machen. Auch sie stecken – meist als Einzel- oder Kleinunternehmer – momentan in einer sehr herausfordernden Situation. Für sie geht es nicht „nur“ um ein verschobenes Fest, sondern um Existenzen. Was wir damit sagen möchten: Unabhängig von den rechtlichen Gegebenheiten wird jeder Hochzeitsdienstleister versuchen, eine bestmögliche Lösung für unsere Paare zu finden. Für die Dienstleister stellt sich dabei die Problematik, dass sie auf der einen Seite ihre Ausfälle kompensieren müssen und daher sicher sehr aufgeschlossen für Kompromisse sind, sie auf der anderen Seite aber keine erneuten Zahlungsausfälle verkraften können, die dadurch entstehen, dass nun alle gebuchten Hochzeiten 2020 einfach auf dasselbe Wochenende in 2021 geschoben werden. Momentan geht es wie nie zuvor darum, dass man zwischen Menschen Lösungen findet, die dem Wohle aller dienen…

Wie arbeitet ihr aktuell?
Wir arbeiten aktuell sehr virtuell und versuchen möglichst viel aus der Ferne per Video Call zu besprechen. Was natürlich bei manchen Teilen einer Eventplannung sehr schwer funktioniert, wie z.B. bei Tastings und die finalen Abstimmungen für Food & Beverage. Ein großes Thema sind auch finale Location Begehungen mit den Dienstleistern.

Austausch und das offene Gespräch sind jetzt wichtiger denn je. Wie läuft die Kommunikation mit euren Paaren und den Dienstleistern in dieser Phase?
Dadurch dass es aktuell täglich neue Entwicklungen der Krise gibt, sind wir sehr eng mit unseren Paaren und Dienstleistern im Gespräch. Es gibt fast schon daily Calls, auf jeden Fall aber mehrfach die Woche. Oft geht es tatsächlich mittlerweile weniger um die eigentliche Detailplanung der anstehenden Hochzeiten, als um Krisenmanagement und Fallbeispiele für Plan B und C.

Ihr seid aktuell nicht nur Krisenmanager sondern auch Seelentröster. Wie geht es euren betroffenen Paaren?
Das stimmt, tatsächlich. Als Schnittstelle zwischen unseren Paaren und den Dienstleistern, vermitteln wir täglich beide Gefühlswelten aneinander. Gefühlt würde ich behaupten, dass unsere Paare ebenfalls mit viel Optimismus an die Sache gehen. Alle unsere Paare wünschen sich nichts mehr als ihren Hochzeitstermin beizubehalten, haben sich aber auch schon auf ein Verschieben gefasst gemacht. Wir sind gemeinsam auf Start und Stop!

Diese Situation zeigt einmal mehr, wie wertvoll es ist einen Hochzeitsplaner zu haben. Welchen Tipp habt ihr für Brautpaare, die alleine planen? Was sollten die ersten Schritte sein?
Geht direkt auf eure Hochzeitsdienstleister zu, um im Sinne aller eine neue Lösung zu finden. Jeder Service Partner für eure Hochzeit ist momentan ebenso froh wie ihr über jede noch so kleine Planungssicherheit. Bedenkt dabei, dass – egal ob ihr eure Hochzeit in den Herbst 2020 oder auf 2021 verschiebt – natürlich bereits Buchungen für die Freitage und Samstage bestehen. Momentan geschieht so viel, was für uns noch vor Wochen undenkbar gewesen wäre.

Tretet mit euren Gästen in den Dialog, ob sie sich z.B. vorstellen können im Oktober oder November zwei Tage Urlaub zu nehmen, um mit euch mitten in der Woche, sagen wir an einem Dienstag, Hochzeit zu feiern. Wir sind uns fast sicher, dass jeder einfach nur dankbar jegliche Möglichkeit annehmen wird, nach überstandenem Schreck das LEBEN zu feiern. Eine Verschiebung auf einen Wochentag oder ggf. je nach Verfügbarkeit auch auf einen Freitag oder Sonntag ist ganz sicher die Variante, bei der euch jeder Hochzeitsdienstleister bereitwillig ohne Stornogebühren oder gar doppelte Buchungskosten entgegenkommen wird.

Das Thema Kosten ist in dieser Situation allgegenwärtig. Wie können Brautpaare weitere Kosten vermeiden, wenn die Hochzeit durch Corona gefährdet ist?
Stand jetzt, raten wir von Stornierungen ohne gesetzliche Einschränkungen ab. Laut unserem Wissensstand bleiben die Paare dann auf ihren Anzahlungsrechnungen sitzen. Versucht auch hier weiter in den Dialog mit euren Dienstleistern bzw. Wedding Plannern zu gehen, um weitere Anzahlungen zu schieben, bis neue Erkenntnisse vorliegen. Und bewahrt Ruhe…

„Gott gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Verschieben oder absagen? Welche Variante findest du „besser“?
Aus unserer Sicht, ist verschieben die sinnvollste Variante. Man verschiebt dadurch nur den Termin, hat aber nicht die ganze Planungs-/Lebenszeit um sonst investiert und kann den größten Teil der Kosten mit in den nächsten Termin schieben.

Wie können Brautpaare den finanziellen Verlust der bereits getätigten Zahlungen bestenfalls auffangen oder eingrenzen?
Sollten die Paare eine Versicherung für private Feiern abgeschlossen haben, kann das eine Möglichkeit sein. Einen Verlust der bereits getätigten Anzahlungen lässt sich nur über die AGB der jeweiligen Dienstleister eingrenzen. Hier sollte man genau auf die nächsten Zahlungsfristen achten und auch hier frühzeitig feste Absprachen schriftlich festhalten.

Was ist euer Rat an eure Kunden?
„Abwarten und Tee trinken“

Klingt verrückt, ist aber ganz sicher nicht der schlechteste Weg. Wir leben in einer Zeit, in der wir so intensiv wie nie zuvor vorgeführt bekommen, dass wir einfach NICHTS selbst in der Hand haben. Mit dem reinen Willen lässt sich die Welt nicht bezwingen. Akzeptieren wir das, was nicht zu ändern ist. Wie sinnvoll ist es, sich in dieser Zeit zusätzlichen Stress zu machen? Geht es nicht viel mehr darum, Kräfte zu sammeln, für alles, was noch kommt. Vielleicht mögt ihr euch einen Stichtag setzen – sagen wir einen Monat vor der Hochzeit -, an dem ihr dann entscheidet wie es weitergeht? Und bis dahin erfreut ihr euch einfach an der weiteren Planung eurer Hochzeit – die dann ja gleichfalls in einen neuen Termin einfließen könnte. Das mag hart klingen, doch geht es doch gerade jetzt, da wir die Dinge im Außen nicht ändern können darum, seine Haltung so zu wählen, dass man möglichst leicht durch diese Zeit geht, oder?

 


Im Gespräch mit Luisa von Luisa Lion

Mit Luisa aus Hamburg haben wir im letzten Jahr ein tolles Bride-to-Be Editorial in Hamburg produziert. Wir gehen uns persönlich und sind natürlich auch mit ihr im Gespräch bezüglich der Hochzeit die für Ende August in Italien geplant ist und der Problematik, die sich nun durch die Situation stellt.

Liebe Luisa, vielen Dank, dass du dir aktuell Zeit für die Fragen nimmst! Für welches Datum ist eure Hochzeit denn ursprünglich geplant?
Unsere Hochzeit in Italien ist für Ende August geplant. UPDATE: DIE HOCHZEIT WURDE VON DEM PAAR IN DEN SOMMER 2021 VERSCHOBEN.

Wie lange plant ihr schon eure Hochzeit?
Wir planen seit über einem Jahr an unserer Hochzeit.

Wann habt ihr zum ersten Mal realisiert, dass das Hochzeitsdatum auf der Kippe steht?
Das war vor ca. 3 Wochen, als mein Verlobter mit seiner Mutter aus Australien telefoniert hat. Sie arbeitet dort in der Leitung eines Krankenhauses und hat vom Australischen Health Minister erfahren, wie ernst die Lage wirklich ist und vor allem noch wird :(

Wenn die eigene Hochzeit plötzlich unverschuldet in der Luft hängt, fahren die Gefühle sicher Achterbahn, wie ging es euch in diesem Moment und wie geht es euch aktuell mit der Situation?
Ich habe erstmal geweint und war einen Tag lang total „im Schock“ und natürlich super traurig. Mittlerweile sehe ich das ganze entspannter. Niemand kann etwas dafür und es liegt außerhalb unserer Macht.

Wie sieht die Lage zu eurer Hochzeit aktuell aus? Wie plant ihr nun weiter? Gibt es einen Plan B?
Aktuell können wir nur auf das Feedback unserer Hochzeitslocation in Italien warten. Dann entscheidet sich unser eventueller Ausweichtermin.

Eine Hochzeit ist ein Fest, wo Familien und Freunde zusammenkommen. Inwieweit sind eure Gäste von den Reisebeschränkungen betroffen?
Extrem, da die Hälfte unserer Gäste aus Australien, Amerika und dem Rest Europas kommen. Viele unserer Gäste haben sich bereits Urlaub genommen, Flüge und Unterkünfte gebucht und sich natürlich genau wie vor sehr auf die Hochzeit gefreut.

Was ist für euch das Schwierigste an der aktuellen Situation?
Das Schwierigste ist für uns die Ungewissheit und dadurch der Planungsstillstand.

Wie geht dein Verlobter mit der Situation um?
Ähnlich wie ich. Es liegt schlicht außerhalb unserer Macht. Wir haben uns beide entschieden, lieber 1-2 Jahre zu warten, als unsere Traumhochzeit komplett abzusagen oder zu ändern.

Man sagt ja, dass jede Situation auch etwas Positives hat. Gibt es positive Aspekte, die ihr eurer Situation abgewinnen könnt?
Zwei gute Freunde von uns haben sich bereits etwas „gefreut“ weil die einen dieses Jahr nicht gekonnt hätten und die anderen (aus Australien) eine Woche vorher ein Baby erwarten. Das hätte also kritisch werden können. Dann wäre eventuell einer von Dans Trauzeugen ausgefallen.

Im Gespräch mit IDO Events

Hochzeitsplanerin Sharon Werbelow von IDO Events aus Berlin plant viele Hochzeiten im Ausland. Sie betreut die Hochzeitsplanung von Luisa und Dan. Auch mit ihr haben wir gesprochen.

Liebe Sharon, wie gehst du als Hochzeitsplanerin mit der aktuellen Situation um? Gab es einen Schlüsselmoment, an dem du gemerkt hast, dass die Corona-Krise die Saison 2020 maßgeblich verändern wird?
Wir hatten für Anfang März ein großes Projekt in Süditalien geplant, gefolgt von mehreren Terminen in Norditalien für eine weitere Hochzeit diesen Sommer. Daher haben wir die Lage schon im Februar sehr kritisch beobachtet und uns dann schweren Herzens entschlossen alles abzusagen. Rückblickend war es die richtige Entscheidung, da in dieser Woche in Norditalien alles abgeriegelt wurde. Ab dem Punkt war uns allen der Ernst der Lage bewusst und wir konnten nur erahnen welche weiteren Auswirkungen es auf die Hochzeitsbranche und die Welt allgemein haben wird.

Diese Saison stellt alle Hochzeitsdienstleister vor eine nie dagewesene Herausforderung. Wo liegen für dich die größten Schwierigkeiten?
Wir richten viele Hochzeiten im Ausland aus und unsere Paare sind sehr international. Die Gästelisten sind das ebenfalls, sodass wir nicht nur schauen müssen wie die Lage im Land der Hochzeit ist, sondern auch in den Ländern, wo die Gäste herkommen. Wenn die engste Familie und Freunde aus einem Land kommen, wo beispielsweise die Ausreise nicht gestattet ist, dann plädieren wir ganz stark auf eine Verschiebung. Eine weitere Herausforderung ist, dass die Lage für Sommerhochzeiten im Juli oder August noch sehr schwer absehbar ist. Natürlich beobachte wir jeden Tag die aktuelle Situation, jedoch muss bei Hochzeiten, wo viele Gäste aus dem Ausland kommen, evtl etwas früher eine Entscheidung getroffen werden, um Flüge zu buchen etc.

Das Wichtigste momentan ist es, dass wir uns alle mit großem Verständnis gegenüber treten, sowohl Paare, als auch Dienstleister. Unsere Paare sind uns wahnsinnig ans Herz gewachsen und wir fiebern immer mit auf ihren großen Tag drauf hin. Umso mehr können wir die Frustration und Enttäuschung verstehen, wenn dieser droht ins Wasser zu fallen und ggf. verschoben werden muss. Wir haben jedoch bisher die Erfahrung gemacht, dass alle Dienstleister alles dafür geben würden, die Paare glücklich zu machen und alle versuchen so flexibel wie möglich zu sein. Kommunikation ist daher das A und O, um für alle Seiten eine faire und passende Lösung zu finden. Die Hochzeitsbranche besteht hauptsächlich aus kleinen Unternehmen und ist daher besonders hart getroffen. Für uns ist es daher wichtig unseren Paaren zu zeigen, dass  sie unsere volle Unterstützung haben und wir gleichzeitig unseren Partnern in der Branche, die ebenfalls kleine Unternehmen führen, den größtem Respekt und Verständnis entgegen bringen.

Wie arbeitet das Team von IDO Events aktuell?
Wir machen Homeoffice und telefonieren oder skypen untereinander mehrmals am Tag. Mit unseren Paaren ist es ähnlich und Video Calls stehen jeden Tag auf der Tagesordnung.

Austausch und das offene Gespräch sind jetzt wichtiger denn je. Wie läuft die Kommunikation mit euren Paaren und den Dienstleistern in dieser Phase?
Wie schon erwähnt ist die Kommunikation momentan das A und O. Zuerst haben wir mit unseren Paaren mögliche Optionen besprochen und sind dann an die Location herangetreten, um mögliche Alternativtermine zu optionieren, wenn noch keine finale Entscheidung getroffen wurde. Sollte der Termin verschoben werden, liegt uns natürlich sehr viel daran alle Dienstleister in der gleichen Konstellation zu übernehmen. Je nach Datum kann dies natürlich nicht garantiert werden, aber im Idealfall können wir mit der Location 2 Termine optionieren und anschließend mit allen beteiligten Dienstleistern schauen, wo es die meisten Übereinstimmungen gibt.

An dieser Stelle möchten wir uns auch einmal ganz herzlich bei all unseren Partnern bedanken, die uns ihr Vertrauen schenken und mehrer Termine über einen längeren Zeitraum für uns freihalten, bis eine finale Entscheidung getroffen wird. Das ist natürlich nicht selbstverständlich und ein Punkt, wo sich ein gutes Netzwerk eines Planes besonders auszahlt.

Ihr seid aktuell nicht nur Krisenmanager sondern auch Seelentröster. Wie geht es euren betroffenen Paaren?
Wir glauben, dass es verschiedene Phasen gibt und das sehen wir nicht nur bei unseren Paaren, sondern so haben wir es selbst auch erlebt. Zu Beginn, wenn man den Erst der Lage realisiert, macht sich kurz etwas Panik breit oder eine kurze Schockstarre setzt ein. Man hat sich die letzten Monate so intensiv mit einem Thema für ein bestimmtes Datum auseinander gesetzt und nun droht alles zu platzen. Die Vorfreude, harte Arbeit und nicht zuletzt ja auch finanzielle Ausgaben die damit einher gehen. All die Gedanken kommen erst einmal recht ungeordnet zusammen. Dann setzt die Frustration und Enttäuschung ein , die in leichte Demotivation umschlägt, denn jeden Tag kommen neue behördliche Ansagen und Regulierungen dazu. In den letzten Wochen haben sich die Nachrichten innerhalb kürzester Zeit überschlagen, sodass die meisten Paare erst einmal die Gedanken ordnen mussten und die Situation, so wie sie ist, akzeptieren.

Diese Woche haben wir unseren Paaren eine kleine Aufmunterung per Post geschickt, um ihnen Mut zu machen, dass wir eine Lösung finden und die Situation gemeinsam meistern. Gemeinsam kriegen wir das alles hin.

Diese Situation zeigt einmal mehr, wie wertvoll es ist einen Hochzeitsplaner zu haben. Welchen Tipp habt ihr für Brautpaare, die alleine planen? Was sollten die ersten Schritte sein?
Kommunikation! Keiner hat dieses Szenario kommen sehen und alle haben es sich anders vorgestellt, auch eure Dienstleister! Es steckt viel Herzblut in einer Hochzeit, also versucht gemeinsam mit allen eine Lösung zu finden. Kontaktiert zuerst die Location und sprecht über die Möglichkeiten einer Verschiebung. Es kommt natürlich auch auf die aktuelle rechtliche Lage an aber Verträge, Stornofristen und Höhere Gewalt hin oder her. Sprecht mit euren Dienstleistern, denn die meisten sind sehr kulant und flexibel. Jedoch vergesst bitte nicht, dass gerade bei den Samstagen im Sommer 2021 bei vielen Dienstleistern bereits Buchungen vorliegen. Gebt auch euren Gästen ein Update, denn die sind mit Sicherheit auch verunsichert.

Das Thema Kosten ist in dieser Situation allgegenwärtig. Wie können Brautpaare weitere Kosten vermeiden, wenn die Hochzeit durch Corona gefährdet ist?
Es ist von allen Seiten etwas Flexibilität gefragt. Wer seine Hochzeit auf ein Wochenende in der Hauptsaison 2021 verschieben möchte, muss mit großer Wahrscheinlichkeit mit zusätzlichen Kosten rechnen, da dies sonst für alle Dienstleistern einen „kompletter Ausfall“ bedeuten würde. Wer bereit ist in der Nebensaison oder unter der Woche zu heiraten, der kann diese Kosten meist vermeiden. Außerdem raten wir von voreiligen Stornierungen ab, wenn die Rechtslage noch nicht eindeutig ist. Sucht lieber das Gespräch mit euren Dienstleistern, um einen möglichen Plan B zu entwickeln.

Verschieben oder absagen? Welche Variante ist „besser“?
Ganz klar verschieben. Man hat sich aus einem bestimmten Grund entschieden zu heiraten und das Fest auf eine gewisse Art und Weise auszurichten. Geht noch einmal in euch und überlegt euch, warum ihr die Hochzeit so geplant habt und was eure Motivation war? Ihr wollt eure Liebe feiern mit all euren Liebsten und eine tolle Zeit haben? Wann werdet ihr sonst noch einmal in eurem Leben in dieser Konstellation zusammen sein? Und was ändert das Corona Virus daran, außer evt den Zeitpunkt der Feier? Ihr habt euch entschieden ein ganzes Leben miteinander zu verbringen, was sind da ein paar Monate mehr.

Außerdem ist im Grunde ja auch schon alles geplant und eine komplette Stornierung wäre viel kostenintensiver, wenn es trotzdem irgendwann noch eine große Feier geben sollte.

Wie können Brautpaare den finanziellen Verlust der bereits getätigten Zahlungen bestenfalls auffangen oder eingrenzen?
Hier kommt es tatsächlich auf die aktuelle Rechtslage an. Ist es höhere Gewalt oder wird ein Fest aus Angst abgesagt? Was sind die Stornierungsfristen der jeweiligen Dienstleister und welche Art von Vertrag liegt vor. Hier unterscheidet man in Werksvertrag und Dienstleistungsvertrag. Das lässt sich also so pauschal nicht beantworten. Aber auch hier würde ich raten, sprecht mit euren Dienstleistern auf respektvolle und menschliche Art und Weise, denn damit kommt man oft am weitesten.

 

Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und kann auch keine Rechtsberatung ersetzen. Wir empfehlen im Einzelfall eine Rechtsberatung einzuholen. 

Kommentieren

Kommentieren nicht möglich

Anzeigen

Sichere Bezahlung
Versandkostenfrei ab 100€
Schnelle Lieferung
Kostenfreie Kaufberatung

Follow @Instagram

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.