Nina und Andi

HOCHZEITSANTRAG

Meinen Hochzeitsantrag habe ich am 29.Februar 2012 in Kerala, Südindien auf Deck eines Hausboots unter Sternenhimmel und raschelnden Palmen bekommen. Andi hat mir im Finsteren den Ring angesteckt und festgestellt, dass er mich heiraten möchte.

ITALIEN

Wieder zurück in Wien haben wir dann diskutiert, wo unsere Hochzeit stattfinden soll. Im Raum Wien, unserem derzeitigen Lebensmittelpunkt, wo auch mein Teil der Verwandtschaft herkommt. Oder in Vorarlberg, der Heimat von Andi und seiner Familie. Für uns war schnell klar, dass wir niemanden bevorzugen wollten. Außerdem sollten sich alle gleichermaßen als Gäste fühlen und sich nicht in der Organisation aufreiben. Somit haben wir uns für die goldene Mitte zwischen Wien und Vorarlberg entschieden und zwar in den Süden versetzt: das Proseccotal in Norditalien. Ich fühle mich seit meinem Auslandsjahr in Perugia 2003/4 sehr mit Italien, seinen Bewohnern, seiner Sprache, Essen und Kultur verbunden. Andi hat Italien im Rahmen vieler gemeinsamer Urlaube zum Glück auch liebgewonnen und schaut zudem optisch aus wie ein echter Italiener;-)

Das Proseccotal kannten wir aus 2 vergangenen Urlauben, die steilen weinbewachsenen Hügel entlang der „strada del Prosecco“, die ausgesprochen freundlichen Menschen, köstliches Essen und natürlich der berühmte Prosecco hatten großen Eindruck hinterlassen.

LOCATION

Im Mai 2012 klapperten wir eine Woche lang sämtliche zuvor in wochenlanger Arbeit via Internet und e-mail recherchierten potentiellen locations im Großraum Proseccotal ab. Wir besuchten die unterschiedlichsten Villen, kleine Schlösser, Bauernhöfe, Scheunen, prächtige Parkanlagen und lernten fast ausschließlich hilfsbereite Menschen kennen, die sich sehr geehrt fühlten, dass wir unbedingt in ihrer Gegend heiraten wollten. Wir entschieden uns für „Locanda la Candola“, eine Art Boutique Hotel in einem liebevoll hergerichteten steinernem Haus inmitten von Weinreben mit Blick bis fast Venedig. Das Beste an der Locanda sind aber das herausragende Restaurant und vor allem das sympathische Besitzerehepaar Serena und Loris, die uns schon bei unserem Aufenthalt 2 Jahre zuvor ans Herz gewachsen waren.

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KIRCHE

Den Ort für das Festessen am Abend ausgesucht, das Datum für den 22.Juni 2013 fixiert, widmeten wir uns der nächsten Aufgabe: die Kirche. Schon im Vorfeld hatten wir von verschiedenen Seiten erfahren, dass die italienische Kirchenbürokratie noch ein Vielfaches schlimmer sei als die österreichische. Unser Plan war es, zuerst in Österreich standesamtlich zu heiraten und dann mit der bereits gültigen Hochzeitsurkunde in Italien kirchlich zu heiraten. Unseren Pfarrer aus Dornbirn, für den Andi bereits in seiner Kindheit ministriert hatte, wollten wir mitnehmen. Hier stießen wir jedoch ganz schnell an unsere Grenzen. Kein einziger Pfarrer wollte uns seine Kirche zur Verfügung stellen und der amtierende Bischof hatte ein Gesetz erlassen, wonach man nur in dem Ort heiraten darf, in dem man lebt oder nach der Trauung leben wird. Ziemlich verzweifelt habe ich mich dann auf die Suche nach Unterstützung gemacht und circa 10 verschiedene Wedding Planner aus der Region angeschrieben. Eine davon, Stefania von „my italian wedding“, hat uns sofort überzeugt. Sie wirkte herzlich, antwortete in perfektem Englisch und konnte und als Einzige innerhalb kurzer Zeit eine Lösung präsentieren. Ein Pater wollte uns seine wunderschöne Bastei „Abbazia di Santa Maria di Follina“ zur Verfügung stellen, eine bekannte Sehenswürdigkeit der Region mit einem wunderschönen Kreuzgang. Bis dahin aber es aber ein langer und sehr steiniger Weg, immer wieder wurden uns neue Hindernisse in den Weg gelegt, Stefania fand zum Glück immer wieder einen neuen Ausweg. Da der nette Pater völlig überraschend 3 Wochen vor unserem Hochzeitstermin verstarb, war es bis zum Morgen unseres großen Tages fraglich, ob wir nun unsere Hochzeitsmesse feiern durften. Dank dem diplomatischem Geschick von Stefania und vielleicht auch wegen der mitgebrachten Wiener Sachertorte fand die Hochzeit aber wie geplant statt.

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KLEID

Nach Durchblättern vieler Hochzeitsmagazine, Besuch auf 2 Hochzeitsmessen sowie in einigen Wiener Brautmodegeschäften war ich enttäuscht…mein Traumkleid war nicht dabei. Ich fühlte mich verkleidet, die Stoffe waren zu schwer, ich wollte doch beim Feiern nicht durch mein Kleid eingeschränkt sein. Zusammen mit meiner Mutter flog ich für einen Kurzbesuch nach Bologna. Die Kleider dort entsprachen deutlich mehr meinen Vorstellungen, leichte fließende Stoffe, schlichte, aber doch raffinierte Schnitte. Nach 2 Tagen hatte ich zwar kein Kleid gefunden, aber doch eine ganz konkrete Vorstellung wie es ausschauen müsste. Umgesetzt hat es dann eine Schneiderin und Freundin. Das Ganze nicht ohne Tränen, 10 Tage vor der Hochzeit waren von einer Anprobe zur nächsten die Ärmellöcher zu weit ausgeschnitten, was mir gar nicht gefiel. Andi versuchte mich damals zu trösten, dass ich das Kleid doch ohnehin nur einen Tag anziehen würde. Das hat mich zwar nicht beruhigt, die Schneiderin hatte aber über Nacht das Oberteil neu genäht – das Endergebnis war perfekt.

Andi hat seinen Gehrock ebenfalls maßschneidern lassen, in seiner Heimat im Bregenzer Wald, die Anprobe war 8 Zugstunden entfernt.

ORGANISATION

Im Rahmen unserer 3 Vorbereitungsreisen ins Proseccotal suchten wir für unsere ca 100 Gäste 3 Hotels unterschiedlicher Preisklasse aus. Da wir ahnten, wie schnell unser großer Tag vorbeigehen würde, organisierten wir ein get together mit Prosecco am Freitagabend und einen späten Brunch am Sonntag. Wir wollten einfach möglichst viel Zeit mit unseren Gästen verbringen, die ja doch eine weite Fahrt auf sich genommen hatten.

Einen Monat vor der Hochzeit hatten wir noch immer keine Musik für die Kirche, von Anfang hatten wir uns einen prächtigen Chor gewünscht. In unserer Verzweiflung fragten wir wirklich jeden, mit dem wir im Laufe der Vorbereitungen ins Gespräch kamen. Den entscheidenden Tipp hat uns dann die Tochter unserer Hochzeitstortenbäckerei gegeben. Sie empfahl uns einen Gospelchor aus der Umgebung. In letzter Minute hatten wir einen Chor gefunden, der uns und die Gäste restlos begeisterte.

FLORISTIN

Eine weiterer Lichtblick während unserer Vorbereitungen war unsere Floristin, ebenfalls ein Tipp von Stefania. Mit Carla von „Fioreria ditelo con i fiori“ war es Liebe auf den ersten Blick. Sie wusste sofort, was wir uns vorstellten und man merkte ihr an, wie gerne sie für uns arbeitete. Wir entschieden uns für weiße Hortensien, kleine weiße Margheriten und verschiedene mediterrane Kräuter, das ganze drapiert in alte Flechtkörbe, Mini Metalleimer und verschiedenste Glasvasen. Als besonderes Highlight organisierte sie uns ein altes türkises Moped, ganz genauso wie ich es Monate davor auf unserer Hochzeitseinladung gezeichnet hatte.

DER GROSSE TAG

Nach dem Frühstück auf der herrlichen Terrasse der Locanda – noch bei Sonnenschein – ging es an mein Styling. Andi hat zur gleichen Zeit mit der Unterstützung von Stefania und unserem Vorarlberger Priester mit dem neuen und uns garnicht wohlgesonnenen Pater der Abbazia verhandelt, fast hätte unsere Messe nicht stattfinden dürfen… zum Glück wusste ich zu diesem Zeitpunkt nichts davon. Das Styling dauerte länger als geplant. Ich sprang erst um 14Uhr, zum geplanten Beginn unserer Messe, in Kleid und Schuhe. Eine Stoffblume an der Taille meines Kleides, die im Vorfeld mein ganzer Stolz gewesen war, ließ ich verpackt zuhause liegen. Somit traf das Brautauto – ganz wie sich das für eine italienische Braut gehört – 20 min zu spät vor der Kirche ein. In der Hektik fielen mir die dunklen Wolken am Himmel gar nicht auf. Die sehr persönliche Predigt unseres Vorarlberger Pfarrers, der Andi schon als Kind kannte und auch unsere 2 Ministranten – 2 alte Schulfreunde Andis, die sich erst am Vorabend in Proseccolaune zu diesem Dienst überreden ließen, trugen zu einer besonders entspannten Atmosphäre in der Kirche bei. Der Chor war fantastisch. Kurz nach dem Tausch der Ringe, brach draußen ein derartiges Gewitter aus, dass sogar die riesige, schwere Kirchentüre erzitterte. Wir mussten zwar den geplanten Auszug auf den Kirchenplatz in den Kreuzgang verlegen, die Choreographie des Wetters hätte aber nicht perfekter sein können.

Nach dem Auszug durch das Spalier unserer Blumen streuenden und Seifenblasen pustenden Gäste, gab es einen herrlichen aperitivo im Kreuzgang der Bastei. Nach den Gratulationen der Gäste war Fotografieren angesagt. Der slowenische Hochzeitsfotograf Aljosa Videtic war uns von Stefania empfohlen worden, unsere Erwartungen an ihn waren, nachdem wir seine Fotostrecken von anderen Hochzeiten gesehen hatten, sehr groß. Wider Erwarten – weder Andi noch ich schauen gerne in die Kamera – konnten wir das ca 2 stündige Fotoshooting in vollen Zügen genießen. An diesem langen aufregenden Tag, waren das die einzigen Momente, die wir für uns hatten. Obwohl die Kamera permanent auf uns gerichtet war, stellte sich eine sehr entspannte, romantische und verliebte Stimmung ein, die man meiner Meinung nach auch auf den Fotos spürt. Aljosa und sein Kollege haben großartige Arbeit geleistet.

Nach dem Shooting ging es in unserem Brautauto, ein alter Fiat 500, zurück zur Locanda.

Unsere Gäste wurden mit 2 kleinen Minibussen von ihrer Unterkunft abgeholt und die steile Straße zur Locanda hinaufgekarrt… dass ein Bus die Steigung nicht schaffte und einige Gäste das letzte Stück zu Fuß gehen musste, passte irgendwie zu Italien und tat der guten Stimmung keine Abbruch. Nach einem ausgedehnten neuerlichen Aperitivo mit Blick auf das weite Tal, nahmen wir für 2 primi (Orzotto mit Meeresfrüchten und Riesenravioli) und der Hauptspeise drinnen Platz. Aufgrund des Unwetters am Nachmittag hatte Serena, die Hausherrin der Locanda leider nicht, wie erhofft, auf der Terrasse decken können. Anschließend gab es das Nachspeisenbuffet und den eigens angeschleppten Bregenzer Wälder Bergkäse wieder im Stehen draußen. Uns war wichtig, dass sich die Gäste möglichst frei bewegen konnten und somit auch jeder mit jedem ins Gespräch kommen konnte – nicht nur mit 2 Sitznachbarn an einer stundenlangen Tafel. Nach einigen sehr persönlichen Programmpunkten, war dann endlich die Disco eröffnet und getanzt wurde bis in die Morgenstunden. Nachdem alle Gäste gegangen waren, bewunderten Andi und ich die aufgehende Sonne über dem Proseccotal. Ein wunderschöner Tag, ein Tag auf den wir 1 ½ Jahre hingearbeitet und hingefiebert hatten, war zu Ende gegangen.

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PANNEN

In der Hektik des großen Tages haben wir doch einiges vergessen. So habe ich meine schöne Seidenblume nicht am Kleid befestigt und hab sie erst am nächsten Tag verpackt wiedergefunden. Andi hat sein Rosmaringesteck für den Anzug verloren und hat in wilder Verzweiflung einfach von der Kräuterdeko vor der Kirche ein Stück Rosmarin abgezupft und sich ins Knopfloch gesteckt. Auf dem Foto gemeinsam mit meinem Vater sieht man den Unterschied besonders gut. Auch den Hochzeitswalzer (immerhin haben wir deswegen einen einjährigen Tanzkurs belegt) und das Brautstraußwerfen haben wir in der Hitze des Gefechts einfach vergessen.

Gerade diese kleinen Pannen sind es aber, über die wir jetzt noch lachen können.

Fotos: Aljosa Videtic
Location: Locanda la Candola
Organistion: My Italian Wedding Planner
Blumen: Ditelo con i Fiori
Kleid: DIY
 
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